Wenn Schweigen zum Gift wird

Das toxische Schweigen ist eine Form des Missbrauchs, die besagt:

Ich werde dich bestrafen, indem ich deine Existenz nicht länger anerkenne.

 

Das Schweigen kann extrem schmerzhaft sein, vor allem wenn es in der Kindheit von einer Elternfigur erlebt wird.

Dies sendet einem Kind eine Botschaft, dass es nicht existiert, wenn es etwas „böses“ oder „falsches“ tut. Das Bedürfnis des Kindes nach Verbindung spielt keine Rolle. 

Die Wahrheit ist, dass die meisten Menschen, die sich in einer „Stillen Behandlung“ befinden, dies tun, weil sie emotional unreif sind und nicht in der Lage sind, ihre Gefühle auszudrücken. Oft sehen sie dies nicht einmal als eine Form des Missbrauchs.

Für sie ist es eine Möglichkeit, sich selbst zu schützen. Um die Situation zu kontrollieren. Und es kommt oft von denen, die leicht in einen Shutdown - Nervensystem- Zustand geraten. Es gibt einen Unterschied zwischen der "Stillen Behandlung" und dem "Platz nehmen". Wenn eine Person "platzt nimmt", wird kommuniziert: hey, ich fühle mich gerade super überfordert und sag vielleicht was, was ich gar nicht so meine. Ich werde eine Pause einlegen müssen und zu diesem Gespräch zurückkehren (heute Abend, morgen, in einer Stunde usw.)

„Stille Behandlung“ hat einen Entzug des Liebesaspekts. Es fühlt sich strafend an, beängstigend. Und letztendlich bringt es viele intensive Emotionen rund um Verlassenheit hervor. 

Wie ist deine Erfahrung mit der „Stille Behandlung“ ? 

Welche Emotionen bringt es in dir hoch? 

 

 

 Vor allem wegen der Seele ist es nötig, den Körper zu üben, und gerade das ist es,

was unsere Klugschwätzer nicht einsehen wollen.

Jean-Jacques Rousseau

Lade die eigenen Gefühle in Dein Bewusstsein ein und erlaube Dir von ihnen zu lernen. 

Körpererinnerung - Gefühl - Präsenz

Nicht nur unser Gehirn, sondern auch unser Körper hat ein Gedächtnis.

Wenn sich Menschen über längere Zeit in ihrem Körper nicht sicher fühlen, finden sie Wege, um falsche Sicherheit zu schaffen durch:  Sucht (Alkohol etc), Arbeitssucht, ständiges beschäftigt sein oder völlige Vermeidung. 

Unser Nervensystem ist wie ein Alarmsystem im Körper. Wenn wir fühlen, dass wir in Gefahr sind, wird das Nervensystem aktiviert, um uns vor Bedrohung zu schützen. So haben wir uns evolutionär weiterentwickelt.

Viele von uns haben Verletzungen in der Kindheit erlebt. Dafür müssen wir keine schreckliche Kindheit gehabt haben. Unsere Eltern haben auch Kindheitswunden und haben sie unbewusst an uns weitergegeben. Unsere Eltern waren Kriegskinder oder Nachkriegskinder und leiden/ litten an ihren eigenen seelischen Wunden oder Traumata.

Und vielleicht haben wir uns als Kind nicht sicher gefühlt. Mussten als Kind viel Verantwortung übernehmen, konnten unsere Emotionen nicht vollständig ausdrücken, wir nicht so sein durften, wie wir sind. Vielleicht war unsere Umgebung unberechenbar, oder die Eltern nicht in der Lage, ihre Gefühle zu zeigen oder zu regulieren. Und so haben wir von klein auf gelernt, über das Mass hinaus, wachsam zu sein. Immer den Raum zu scannen, um zu sehen, wie es den Eltern geht oder sie sich fühlen. Immer auf Stimmungswechsel oder auf die nächste Krise abgestimmt. Selbst der Fötus speichert schon erste Empfindungen ab, auch wenn er sich nicht bewusst erinnern kann (Epigenetik). Mit zunehmendem Alter fühlen sich viele weiterhin unsicher, weil sich unser Nervensystem in einem chronischen Aktivierungszustand befindet. Unser Körper besitzt ein Gedächtnis und diese Erfahrungen sind in unserem System abgespeichert. Der Körper ist brillant. Also passen wir uns an und finden Wege, ein falsches Gefühl von Sicherheit zu empfinden. Manchmal durch Substanzen, Dissoziation, Arbeitssucht, chronische Beschäftigung oder Flucht, Vermeidung oder durch Isolation. Diese Bewältigungsmechanismen ermöglichen es uns, unseren Körper zu verlassen, damit wir dem Gefühl entkommen. 

Deshalb kann Meditation oder das Gefühl einer „inneren“ Einkehr im Körper für viele stressig sein, wenn wir uns nicht sicher fühlen. Wir könnten rasende Gedanken oder sehr intensive und unangenehme Empfindungen im Körper haben. NICHT weil wir meditieren, sondern weil wir präsent sind, wovon wir uns normalerweise ablenken. Also greifen wir zum Handy, oder Glas Wein, oder sagen "Ja" zu einer Verpflichtung, obwohl wir weit über unseren eigenen Kapazitäten sind, um einfach beschäftigt zu bleiben.

Die Praxis des Bewusstseins ist die Praxis der Rückkehr zum Körper. Ein paar Minuten tiefe Atmung, in denen wir uns auf das Ausatmen von Stressenergien konzentrieren. Ein Spaziergang, bei dem wir bewusst die Bäume, Wiesen u.s.w. sehen und wahrnehmen. Eine kurze Yogapraxis, in der wir eng gewordene Körperteile bewegen und in sie hinein atmen. Uns wahrhaftig spüren lernen, mit allem was das sein möchte. 

Sich sicher fühlen lernen ist eine Übung. Und zu verstehen, warum man sich nicht gleich sicher fühlt, ist das Geschenk des Selbstbewusstseins.